Millennium Dorf

Harguzirpar liegt auf dem Weg nach Azmotpur, und beherbergt knapp 300 Haushalte, 70% davon sind arm oder extrem arm. Das Dorf soll beispielhaft verdeutlichen wie selbst-definierte Entwicklung im Rahmen der UN-Millenniumsziele konkret aussehen könnte.

In ersten Gesprächen 2009 mit der gesamten Dorfbevölkerung haben wir unser Vorhaben erläutert, die Hoffnungen auf einen großen Geldsegen zunichte gemacht, und unsere Erwartung an die aktive Mithilfe der Menschen und die gleichwertige Partizipation von Männern und Frauen zum Ausdruck gebracht. Als wir danach immer noch willkommen waren, konnte die eigentliche Arbeit losgehen.

Gleich zu Beginn haben wir die Situation des Dorfes durch eine detaillierte Haushaltsbefragung analysiert. So haben wir eine breite Datenbasis gewonnen, die uns Einblicke in die Armutsstruktur, das Bildungs- und Gesundheitsniveau, die Arbeits-und Einkommensverhältnisse liefert. Dies macht es uns möglich, die Fort- und eventuell auch Rückschritte des Dorfes gut und transparent zu dokumentieren. Bisher werden alle Maßnahmen von der Stiftung Brücke finanziert.

Als Prioritäten haben die Dorfbewohner die Verbesserung der Sanitäranlagen, den Zugang zu Bildung für die Kinder, und das Schaffen von Einkommensmöglichkeiten für die Frauen festgelegt. Bisher gehen die Kinder höchstens bis zur 5. Klasse in die Schule. Während die Männer überwiegend als Tagelöhner auf dem Bau in Mymensingh oder Dhaka beschäftigt sind, gibt es für Frauen kaum Arbeitsmöglichkeiten. Da fast niemand eigenes Land besitzt, und die Wohnverhältnisse sehr beengt sind, entfallen auch die typisch weiblichen Erwerbsmöglichkeiten wie Tiere halten oder einen Gemüsegarten anlegen.

Als erster Schritt wurde nun ein Community-Centre gebaut, das als Raum für Versammlungen, als Klassen-zimmer für eine Vorschule, Abendschule und Nachhilfering, sowie als Trainings-raum für eine Nähausbildung dienen soll. Das Land für das Zentrum wurde von einer Dorfbewohnerin gestiftet, beim Bau mit Hand angelegt haben viele Familien.

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Die Lehrerin für die Vorschule und die Ausbilderin für den Nähkurs sind ebenfalls Frauen aus dem Dorf. Die Frauen die den Kurs absolvieren, dürfen hinterher die Nähmaschine mit nach Hause nehmen und bekommen zudem ein Darlehen als Startkapital für ihre eigene Schneiderei. Das Interesse an der Ausbildung ist sehr groß. Finanziert sind bisher 15 Plätze.

Es haben sich fünf Spargruppen für Frauen gegründet, die anfangs noch von Mati betreut werden, allerdings mit dem Ziel, binnen der nächsten 5 Jahre unabhängig zu operieren. Die Frauen sparen gemeinsam in einen Topf aus dem sie Kredite an die Gruppen-mitglieder vergeben. Hier ist die Skepsis der Frauen noch groß, und nur die Zeit wird zeigen, ob das Konzept funktionieren wird.