Mati Schule

Der Aufbau der Mati-Schule war eine der ersten Interventionen in der Projektregion Huzurikanda 1999.
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Nun ist Zeit, um mit Stolz zurück zu blicken auf die harten Anfangsjahre, als Mati – Mitarbeiter/innen und Freiwillige einzeln von Hütte zu Hütte gehen mussten, um skeptische Eltern davon zu überzeugen, dass die Zukunft ihrer Kinder auf dem Weg zur Schule liegt, selbst für die Mädchen. Nun nach mehr als 10 Jahren wird diese Tatsache nicht mehr in Frage gestellt, und viele Eltern haben selbst großes Interesse entwickelt, dass ihre Kinder in die Schule gehen, und wenn möglich die Schule zumindest mit der Mittleren Reife (Matric Exam) nach der 10. Klasse beenden. Dieser Sinneswandel ist zum großen Teil auf die kontinuierliche Motivation durch Mati und die fürsorgliche Begleitung der Kinder in ihrem Schulalltag durch die Mati Lehrer/innen zurück zu führen.

Trotz allem scheitert der Wunsch von vielen, in die Schule zu gehen, immer noch oft an der finanziellen Realität. Bei einem durchschnittlichen Familieneinkommen von 3000 Taka (ca. 30 Euro) schlägt ein Schulbesuch mit ca. 400 Taka (4 Euro) pro Monat und Kind für viele Eltern sehr teuer zu Buche. Während ein Kind, das arbeitet, immerhin 500 Taka monatlich zum Familieneinkommen beisteuern könnte. Ein Mädchen, das mit 14 oder noch früher verheiratet wird, ist ein Esser weniger am dürftig gedeckten Tisch. Für arme Familien ist das Ergebnis dieser Rechnung leider oft vorauszusehen.

Immer noch brechen 95% der armen die Schule vorzeitig ohne Abschluss ab. So wie Momotaz, 15 Jahre, aus Huzurikanda, die im Sommer die Schule abbrechen musste, um in Dhaka als Näherin in einer Fabrik im Schichtdienst zu arbeiten, damit sie vielleicht Geld nach Hause schicken kann, um ihre Eltern und Geschwister zu unterstützen. Oder wie Munjura, 14 Jahre, die gerade von ihrer Familie verheiratet wurde.

Um Bildung für Familien wie die von Momotaz und Munjura nicht unerschwinglich zu machen, ist die Mati-Schule kostenlos. Darüber hinaus hat sie einen guten Namen in der Region, da unsere Lehrer sich sehr um die Kinder bemühen und auch an Fort- und Weiterbildungsmaßnahmen im Bereich Pädagogik teilnehmen.

Im Jahr 2010 haben 247 SchülerInnen und Schüler die Mati Schule besucht. Sie verteilten sich auf die Klassen 1-7, sowie eine Playgroup. Die Schule wird durch Privatspenden und die Zuwendungen des Partner-vereins Mati e.V. finanziert. Der finanzielle Bedarf beläuft sich auf 12.000€ pro Jahr.

5. Klasse wieder bestes Ergebnis des ganzen Bezirks

Bei den diesjährigen zentralen Abschlussprüfungen für die Grundschule hat die 5. Klasse der Mati-Schule zum dritten Mal in Folge das beste Ergebnis des ganzen Bezirks erreicht. Über einhundert Grundschulen nahmen an der Zentralprüfung teil.

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Die Lehrkräfte der Mati Schule hatten bereits Wochen vorher mit allen Klassen einen Vorbereitungsplan für die Prüfungen erarbeitet und boten in ihrer Freizeit jeden Tag 4 Stunden Sonderunterricht an. Auf das Ergebnis sind Schüler wie Lehrer sehr stolz, denn dass die Ärmsten die Besten sind, kommt in Bangladesh eher selten vor.

Farm für die Schule – ein Versuch zu größerer Nachhaltigkeit

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Schon seit einiger Zeit überlegen wir, wie wir die allein durch Privatspenden finanzierte Mati Schule finanziell auf etwas sicherere Beine stellen können. Da wir im Rahmen des von Misereor geförderten Kitchen Garden Projekts sehr gute Erfahrungen mit dem Aufziehen von Kühen gemacht haben, entstand das Projekt ” Farm für die Schule”.

Der Kuhstall wurde vergrößert, ein Grundstock an Hühnern gekauft, zehn bis dreizehn Kühe werden nun, da das Opferfest (Eid) vorbei ist und die Preise auf dem Tiermarkt wieder fallen, folgen. Mit dem Verkauf von Milch, Eiern, kleinen Hühnern und Kälbern rechnen wir in Zukunft zwischen 20 und 30 Prozent der Schulkosten abdecken zu können.

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Wir haben auch eine Baumschule angelegt und eine Biogasanlage installiert, verwertbares Material haben wir ja durch die Kühe genügend. Somit konnten wir den Bedarf an Feuerholz um die Hälfte reduzieren.

Das Startkapital in Höhe von 3550€ für dieses Projekt kommt von der Stiftung Brücke und Helfenswert e.V., wofür wir uns ganz herzlich bedanken.

Schulessen

Seit 2006 erhalten alle Schülerinnen und Schüler der Mati-Schule zweimal pro Woche ein warmes, vitaminreiches Mittagessen bestehend aus Reis und Gemüseeintopf. Für die Kinder, die zu Hause oft nur 2 Mahlzeiten bekommen, ist das gemeinsame Essen ein Highlight des Schulalltags. Auch die Eltern freuen sich sehr, und nennen das Schulessen immer wieder als ein Beispiel, was sie an MATI besonders beeindruckend finden. Schon morgens hört man die Ankunft der SchülerInnen am Geklapper ihres Essgeschirrs. Das Schulessen wird von zwei deutschen Privatsponsoren sehr großzügig finanziert.

Schulpatenschaft – SchülerInnen engagieren sich für MATI

Auch SchülerInnen in Deutschland liegt das Schicksal Bangladeshs und insbesondere der MatischülerInnen am Herzen. So unterstützen uns bereits seit Jahren die Patenklassen des Gymnasiums Kenzingen sowie das Reichswald Gymnasium in Ramstein-Miesenbach mit Aktionen, um Spenden einzuwerben und über MATI und Bangladesh zu informieren.

Alle Schulspenden werden für die Mati-Schule eingesetzt und finanzieren Schulmaterialien, Lehrergehälter und Reparaturkosten. Der Schulbesuch eines Kindes an der MATI-Schule kostet 60 € pro Jahr – eigentlich eine überschaubare Summe.

Zwei weitere Patenklassen, aus Essen und Bonn fördern jeweils ein Kind mit einer Schulpatenschaft.